Widersprüche im Arbeitsschutz, Teil II – Widerspruchsfreiheit

Meine Sammlung enthält ca. ein dutzend Widersprüche, die es erschweren, Mitarbeiter und Führungskräfte nachhaltig zu sensibilisieren und für Arbeitssicherheit zu begeistern. Heute der zweite Beitrag:

Einmal „hü“, einmal „hott“ und ein Großteil der Beschäftigten weiß nicht mehr, was das Unternehmen von ihnen erwartet. Botschaften unterschiedlicher Ausrichtung zerstören die Wirksamkeit.

Die Unternehmensleitung möchte, dass Mitarbeiter ihr Wissen und Können jederzeit kreativ, gewinnbringend und vorbehaltlos für das Unternehmen einsetzen. Führungskräfte an der Basis wünschen vermehrt, dass Mitarbeiter mehr Eigenverantwortung übernehmen. Der Arbeitsschutz erwartet, dass fremdbeschlossene Verhaltensregeln bedingungslos eingehalten werden (keine Freiheitsgrade, kein eigenverantwortliches Entscheiden).

Wenn Eigenverantwortung darin gesehen wird, dass sich Mitarbeiter allen Regeln „eigenverantwortlich“ und ohne Murren zu unterwerfen haben, handelt es sich um eine Vorgesetztenperspektive, bei der Mitarbeiter schließlich Weisungen zu befolgen haben. Wertschätzung geht allerdings anders!

In der Vergangenheit hat der Arbeitsschutz eine große Anzahl Verhaltensregeln aufgestellt, die Eigenverantwortung nehmen (WIR sagen, was zu tun und was zu lassen ist, was „richtig“ oder „falsch“, „gut“ oder „böse“ ist!). Jede Verhaltensregel, die sich einer individuellen Logik entzieht, kann von Mitarbeitern als Entmündigung empfunden werden. Wen wundert es, dass die Bereitschaft zur Eigenverantwortung geschwunden ist? Erwartet das Unternehmen auf anderen Handlungsfeldern eine starke, persönliche Mitwirkung, fühlen sich genau diese Mitarbeiter bei zu engen Verhaltensregeln gegängelt. Unter solchen Voraussetzungen entwickeln sich Renitente, Unbelehrbare und Provokateure, die das Sicherheitsproblem sehr wohl sehen aber aus einer empfundenen Bevormundung, Reaktanz zeigen.

Es geht nicht darum Regeln abzuschaffen. Vielleicht kann darüber nachgedacht werden, zukünftige Verhaltensanweisungen so zu formulieren, dass nicht nur eine einzige richtige Lösung vorgegeben wird, sondern dass ein Korridor definiert wird, in welchem nach Situationsbedingungen entschieden werden kann.

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