Archiv für den Monat September 2016

Einfache Botschaften

grafik_hoehlenmensch_uruk-kopieComputergesteuerte Arbeitsabläufe und vernetzte Arbeitsorganisation erhöhen die Komplexität. Je komplexer Konzepte und Zielsetzungen sind, umso aufwändiger ist es, sie an möglichst viele Mitarbeiter zu vermitteln. Die Bereitschaft zur Akzeptanz sinkt mit dem Aufwand der Auseinandersetzung.

Die Vermittlung von Fakten und Botschaften wird effektiver, wenn im Vorfeld Arbeit investiert wird, die Komplexität zu reduzieren. Muster herausfiltern und erkennbar machen, Perspektiven wechseln und andere Sichtweisen eröffnen oder aber auch mit Vernetzung zu antworten sind Strategien, mit denen Komplexität reduziert werden kann. Der Aufwand lohnt, denn der Vermittlungserfolg und die Akzeptanz steigen. Diese Aufgabe gehört nicht unbedingt zu den Kernkompetenzen betrieblicher Akteure. Deren Ressourcen werden sowieso an anderer Stelle stärker benötigt. Insofern ist empfehlenswert diesen Anspruch auf externe Dienstleister zu übertragen, die etwas von der Sache verstehen und Erwachsenenbildung beherrschen.

Wenn es mit einer z.B. 90-minütigen Maßnahme gelingt, einer großen Gruppe von Mitarbeitern gleichzeitig eine einzige neue Wenn/Dann-Beziehung nachhaltig zu vermitteln, so dass sie von allen verstanden, akzeptiert und verinnerlicht wird, ist das ein  großer Erfolg.

Sensibilität, Behutsamkeit, Geduld und zeitliche Entzerrung versprechen auch in einer schnelllebigen dynamischen Welt größeren Erfolg.

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„Pass auf!“ und „Arbeite vorsichtig!“

Die Anweisung: „Pass auf!“ oder „Arbeite vorsichtig! “ ist keine verhaltenskorrigierende Lösungshilfe.

  • Die Aufforderung „Sei nicht kopflos“ heißt in der Konsequenz => „Pass auf!“
  • „Ablenkung“ wird als eine der häufigsten Unfallursachen analysiert. Das bedeutet in der Konsequenz: „Ablenkung ist schlecht. Lass Dich nicht ablenken.“. Heißt übersetzt:  „Pass auf!“
  • In Österreich ist der Hauptslogan: „Gib acht!“. Bedeutet: „Pass auf!“
  • „Achtsamkeit“ ist zum Schlagwort geworden. Konsequenz: Sei nicht Unachtsam. „Pass auf!“

„Aufpassen“ bindet Gehirnressourcen, die von der eigentlichen Arbeitsaufgabe ablenken. Aufpassen macht müde. Ist man müde, kann man nur noch mühsam aufpassen. Und wenn Oma gestern gestorben ist oder der Ehepartner mit den Möbeln und den Kindern ausgezogen ist, tickt die Welt sowieso ganz anders. Auch ein erkläglicher Lottogewinn (um etwas positives zu nennen) verändert Wahrnehmungen und Einschätzungen.

Wie also kann eine Lösungshilfe aussehen? Wann ist man aufmerksam? Unter welchen Bedingungen wandern die Gedanken ab? Wie steuert sich Aufmerksamkeit?

Die Risikoeinschätzung bestimmt das Vorsorgeverhalten!

Die eigene, ganz persönliche Risikoeinschätzung entscheidet darüber, ob Vorsorgemaßnahmen die ein Unbekannter für mich erfunden hat, akzeptiert werden oder als unrelevant empfunden werden. Wird etwas als „Saugefährlich“ oder gar lebensbedrohlich eingeschätzt, bleiben die Gedanken bei der Sache. Wird ein Risiko unterschätzt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwann schief geht. Dementsprechend geht es immer wieder darum, unterschätzte Risiken auf ein möglichst realistisches Niveau anzuheben. Mit „Pass auf!“ ist es leider nicht getan.

 

Wirksamkeit von Unterweisungen

  • der in der Wahrnehmung der Mitarbeiter schon lange
    von der operationalen Arbeit weg ist oder
  • praktisches Handeln gar nicht kennt oder
  • der nicht ernst genommen wird,
    weil er seinen Respekt schon lange verloren hat oder
  • als Polizist agiert und wahrgenommen wird,

dann ist es nicht verwunderlich, wenn kaum Reaktionen erfolgen.

Fluchtweg freigestellt

Innerhalb einer zu unterweisenden Personengruppe sind alle Charaktere, Eigenschaften und Erfahrungen anzutreffen. Diesem Umstand wird eine Angebotsvielfalt in der Ansprache, Wahrnehmung und Beteiligung gerecht. Wenn Mitarbeiter durch außergewöhnliche, kreative Ideen bis hin zu künstlerischen Ansätzen das Gefühl haben, dass sich jemand um ihn bemüht, reagieren sie in höherem Maße (http://www.institut-input.de/16).

Manchmal wird die Überzeugung geäußert, dass sich die meisten sowieso nicht für Arbeitsschutzthemen interessieren, weil es sich beispielsweise um einen paragrafen-beladenen, schwer vermittelbaren, trockenen Stoff handelt.
Dem ist entgegen zu halten, dass jeder Mensch ein grundsätzliches Interesse an der Erhaltung der eigenen Unversehrtheit und Gesundheit hat. Keiner verletzt sich freiwillig, keiner verletzt sich gern. Unzweifelhaft ist in jedem Mensch ein Selbsterhaltungstrieb verankert.
Auch die unbewusste Funktion der Arterhaltung sorgt für ein Eigeninteresse. Es kann als Beleg gewertet werden, das viele Menschen im privaten Bereich bereit sind, viel Geld auszugeben, um gut auszusehen, sich gesund zu ernähren oder möglichst alt zu werden.

Jeder angehende Lehrer lernt im ersten Semester, dass er, wenn Schüler nicht zuhören, zuerst seine eigene Rolle, Funktion und Methode zu überprüfen hat, bevor er über verantwortungslose und desinteressierte Schüler lamentiert.
Deshalb gilt die These, dass theoretisch jeder Stoff so aufbereitet und jeder Unterricht so gestaltet werden kann, dass die Zielgruppe darauf reagiert. Es macht allerdings Arbeit, fordert Ideen und Kreativität. Diese Fähigkeiten gehört in Bezug auf die Vermittlung von Inhalten zur Sicherheit und Gesundheit selten zur Kernkompetenz betrieblicher Akteure. Woher auch?  Deren Fähigkeiten liegen auf anderen Gebieten.